Ehrengäste und Verantwortliche strahlten mit der wohltuenden Wintersonne um die Wette: Am Montag, 19. Januar, wurde auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Bauhofs der Grundstein für rund 160 öffentlich geförderte Wohnungen gelegt. Die ersten Bewohner könnten bereits Ende kommenden Jahres einziehen.
Großer Bahnhof für ein ambitioniertes Projekt: Zur Grundsteinlegung war neben Iris Beuerle, Direktorin des Verbands baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (vbw), sogar Andreas Hofer, der Intendant der IBA 27, angereist. Die Internationale Bauausstellung im kommenden Jahr "will mit klugen und mutigen Bauprojekten zeigen, wie das Zusammenleben, Wohnen und Arbeiten in der Region Stuttgart zukünftig funktioniert" - und eines dieser klugen und mutigen Bauprojekte sind die Matthias-Erzberger-Höfe. So werden sie heißen, die acht Gebäude mit rund 10.500 Quadratmetern Wohnfläche und 158 Wohneinheiten, die sich zusammen mit zwei Gewerbeeinheiten, einer Arztpraxis, einem Waschsalon, einem Quartierscafé und einer Quartiersgarage zu einem ganz neuen, innenstadtnahen Reutlinger Quartier vereinen.
Das Bauvorhaben ist ein Modellprojekt, das serielle Bauweise mit lokalen Gestaltungsanforderungen verbindet. Serielles Bauen bedeutet, dass Bauteile standardisiert geplant und mehrfach eingesetzt werden können. Dadurch entfallen viele zeitintensive Planungsschritte, weil sie bereits vorab entwickelt wurden. In diesem Projekt wurde die serielle Bauweise so weiterentwickelt, dass sie sich an die städtebaulichen und architektonischen Anforderungen des Standorts anpasst. Bauteile wurden gemeinsam mit den Planungs- und Baupartnern optimiert, um wiederholbare, qualitativ hochwertige und ressourcenschonende Lösungen zu schaffen. Die Kombination aus serieller Bauweise und projektbezogener Anpassung verkürzt die Bauzeit erheblich und ermöglicht gleichzeitig eine hohe architektonische Qualität.
Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil des Quartiers. Extensive Dachbegrünungen, Photovoltaikanlagen, wasserdurchlässige Beläge, ein durchdachtes Regenwassermanagement sowie die Wärmeversorgung durch eine Wärmepumpe tragen zu einem stabilen Mikroklima bei. Zwei neue Quartiersplätze öffnen das Areal in den Stadtteil Storlach, schaffen Aufenthaltsqualität und verbinden Bestehendes mit Neuem. Begrünte Wohnhöfe bilden das Herz des Quartiers. Das historische Gebäude Christophstraße 11 bleibt erhalten und wird künftig als Stadtteilcafé genutzt.
Das Mobilitäts- und Freiraumkonzept greift zentrale Elemente zukunftsfähiger urbaner Quartiere auf: autofreie Bereiche, kurze Wege, eine starke Fahrradinfrastruktur, gemeinschaftliche Räume und flexible Nutzungsangebote. Diese Struktur fördert nachbarschaftliches Miteinander und reduziert verkehrliche Belastungen.
Bauherr ist erstmals die WGR – Wohnungsgenossenschaft Reutlingen eG. Oberbürgermeister Thomas Keck betont die Bedeutung dieses Schritts: "Die Matthias-Erzberger-Höfe stehen für ein Versprechen, das unsere Stadt seit 1892 begleitet: Wohnen bezahlbar, sicher und sozial verantwortungsvoll zu gestalten. Dass die Wohnungsgenossenschaft Reutlingen wieder baut, ist ein starkes Zeichen für Mitbestimmung, gelebte Verantwortung und eine Stadtentwicklung, die von Vertrauen und Zusammenarbeit getragen ist.“
Auch die GWG Reutlingen hebt die besondere Dynamik des Projekts hervor. Von der Grundsatzentscheidung des Gemeinderats bis zur Grundsteinlegung vergingen nur eineinhalb Jahre – ein außergewöhnlich kurzer Zeitraum für ein Projekt dieser Größenordnung. Geschäftsführer Lars Grüttner erklärt: "Eineinhalb Jahre vom politischen Beschluss bis zum Baubeginn – das gelingt nur, wenn alle Beteiligten mit Entschlossenheit, Vertrauen und einem gemeinsamen Willen an einem Strang ziehen.“