Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung in der Stadthalle

Metropolkongress in Reutlingen

Kongress der Metropolregion Stuttgart in der Stadthalle; Bildquelle: Stadt Reutlingen

Im Mittelpunkt standen die wirtschaftliche Transformation, Klimaanpassung und die Zusammenarbeit über kommunale und regionale Grenzen hinweg. Grundlage bildeten die Empfehlungen von fünf Arbeitsgruppen, in denen sich mehr als 200 Fachleute engagiert hatten.

Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck betonte die Bedeutung eines abgestimmten Vorgehens und gemeinsamer Lösungsansätze. "Ein Kongress ist erst dann richtig erfolgreich, wenn er nicht nur Denkanstöße gibt, sondern auch etwas in Bewegung setzt“, unterstrich Keck. Entscheidend sei, die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Vorhaben zu überführen und neue Kooperationen anzustoßen.

Wie Veränderung in der Praxis gelingt, zeigten die Perspektiven der Unternehmen. Dabei ging es um die Frage, wie etablierte Kompetenzen mit neuen Technologien und Geschäftsfeldern verbunden werden können und welche Voraussetzungen notwendig sind, um Innovationen langfristig am Standort zu halten.

Für Bonita Grupp, Geschäftsführerin des Textilunternehmens Trigema, gehen „Tradition und Innovation Hand in Hand. Unser über Generationen gewachsenes, regional verwurzeltes textiles Know-how bildet die Basis für neue Entwicklungen im textilen Kreislauf und zeigt, wie Erfahrung und Fortschritt branchenübergreifend zu nachhaltigem Erfolg führen können."

Jens Fabrowsky von NEURA Robotics, der von Roboter "Mini" auf die Bühne begleitet wurde, machte deutlich, welche Rahmenbedingungen aus seiner Sicht entscheidend sind, um Innovation und Wachstum langfristig am Standort zu sichern: „"Innovation entsteht dort, wo Talente, Forschung und Industrie nah beieinander sind. Genau das bietet unsere Region. Deshalb sind wir in Metzingen verwurzelt und wachsen von hier aus. Damit das so bleibt, brauchen wir drei Dinge: eine enge Verbindung zwischen Hochschulen und Unternehmen, schnelle und verlässliche Verfahren und den Mut, neue Technologien wie Physical AI nicht nur hier zu entwickeln, sondern auch hier einzusetzen. Wenn wir diese Stärken über Stadt- und Regionsgrenzen hinweg bündeln, kann die Metropolregion Stuttgart der Ort werden, an dem die nächste industrielle Ära maßgeblich geprägt wird.“

Neben der wirtschaftlichen Transformation rücken Nachhaltigkeit und Resilienz zunehmend in den Mittelpunkt. Prof. Jörn Birkmann, Leiter des Instituts für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS) in Stuttgart, beleuchtete die Zusammenhänge zwischen Klimaanpassung, Versorgungssicherheit und belastbaren Lieferketten. Dabei hob er hervor, wie wichtig das Zusammenspiel von kommunaler Planung, wissenschaftlichen Erkenntnissen und unternehmerischer Praxis ist.

Die Ergebnisse der fünf Arbeitsgruppen zu Wirtschaft, Zukunftstechnologien, klimaangepasster Regional-, Stadt- und Ortsentwicklung, Wasser sowie regionaler Kooperation zeigten, wie die Europäische Metropolregion Stuttgart ihre Stärken bündeln und die Transformation gemeinsam gestalten kann. Dafür braucht es eine verbindliche Zusammenarbeit über kommunale Grenzen hinweg, vorausschauende Planung, verlässliche Finanzierung und geeignete politische Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Region nachhaltig, widerstandsfähig und lebenswert weiterzuentwickeln.

Wie sich Innovationen trotz knapper Ressourcen in konkrete Projekte überführen lassen, wurde auch mit Blick auf die Landespolitik diskutiert. Ministerialdirektor Michael Kleiner vom Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg betonte die Bedeutung der Mittelstandsförderung, gezielter Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie der Weiterentwicklung von "Tech BW“ gemeinsam mit Unternehmen und weiteren Akteuren.

Wie die Europäische Metropolregion ihre Stärken als Innovations- und Hightech-Standort deutschland- und europaweit sichtbarer machen und ihre Rolle in Europa stärken kann, verdeutlichte Rainer Wieland, Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart: „Unsere Europäische Metropolregion ist ein Standort für Macherinnen und Macher, die Herausforderungen nicht verwalten, sondern gemeinsam Lösungen entwickeln. Um deutschland- und europaweit noch sichtbarer zu werden, müssen wir unsere Innovationskraft, unseren Unternehmergeist und unsere Erfolgsgeschichten selbstbewusst nach außen tragen. Zugleich können wir als Impulsgeber und Brückenbauer unsere Stärken in Europa einbringen, voneinander lernen und gemeinsam Antworten auf die großen Zukunftsfragen entwickeln. Denn starke Regionen sind die Grundlage für ein starkes Europa.“

Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper sagte: "Die Regionen und die Metropolregion sind Formationen der Zukunft, zum einen, weil wir durch die Optimierung der Verkehrsverbindungen immer enger zusammenrücken, und zum anderen, weil veränderte Umstände und Rahmenbedingungen in bestimmten Bereichen eine regionale Zusammenarbeit notwendig machen – so etwa bei den Verbünden für den ÖPNV, beim Hochwasserschutz, beim Trinkwasser, bei verschiedenen Verwaltungstätigkeiten, die sinnvollerweise auf regionaler Ebene gemeinsam wahrgenommen werden.“

Der Metropolkongress machte deutlich: Die Zukunftsfähigkeit der Region hängt davon ab, vorhandene Kompetenzen stärker zu vernetzen, gute Ideen in konkrete Maßnahmen zu überführen und die Zusammenarbeit über Zuständigkeits- und Regionsgrenzen hinweg zu stärken.

Die Europäische Metropolregion Stuttgart umfasst die fünf Regionen Stuttgart, Heilbronn-Franken, Neckar-Alb, Nordschwarzwald und Ostwürttemberg. Auf rund 15.360 Quadratkilometern leben etwa 5,5 Millionen Menschen in knapp 480 Städten und Gemeinden. Sie vereint rund 49 Prozent der Bevölkerung Baden-Württembergs und erwirtschaftet etwa 52 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. International erfolgreiche Industrieunternehmen, ein innovativer Mittelstand sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen prägen den Wirtschaftsraum. Ziel der regionsübergreifenden Zusammenarbeit ist es, gemeinsame Potenziale zu nutzen, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Region zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Internetseite zum Metropolkongress mit den Ergebnispapieren aus den 5 Arbeitsgruppen unter www.eu-metropolregion-stuttgart.de

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